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Alfta

Der Ort Alfta war schon vor tausend Jahren eine etablierte Bauernortschaft. Vom alten mittelalterlichen Hälsingland gibt es nur wenige Erzählungen, es gibt jedoch eine isländische Sage aus dem Jahr 1178, als der norwegische König Sverre Sigurdsson auf dem Weg nach Norwegen durch die Landschaft zog. In Alfta stieß er auf ein Aufgebot Bauern welches den norwegischen König und sein Gefolge nicht durchließ. Aus der Sage geht hervor dass Alfta sich zu der Zeit zum Christentum bekehrte hatte.

 

Die älteste Kirche ist vom 13. Jahrhundert und wurde von Olof Broman im Werk Glysisvallur abgebildet. Alfta nannte man Hälsinglands Getreidekammer und am Anfang vom 17.Jahrhundert, bezahlte Alfta mehr Viehsteuer als übrige Gemeinden in Hälsingland. Die Gemeinde streckte sich über das ganze fruchtbare Tal des Flusses Voxnan.

 

Blick auf Alfta vom Kirchturm von 1878 mit dem Hof Nygårds im Vordergrund.

Blick auf Alfta vom Kirchturm von 1878 mit dem Hof Nygårds im Vordergrund.
Foto: Anders Larsson, Rättvik
 

Warum so groß?

Die Bauern in Hälsingland waren schon seit undenklicher Zeit die dominierende Klasse in der Gesellschaft. Hier gab es den Adel nicht, die Bauern besaßen selbst ihren Boden und hatten die Macht auf dem Hof, im Ort und in der Gemeinde. Als Gruppe hielten die Bauern und ihre Familien zusammen. Die Höfe wurden vererbt und so weit es möglich war wurden die Bauerntöchter mit Bauern von den Nachbarhöfen oder aus dem Nachbardorf verheiratet. Man kann die Generationen oft bis zum 16.Jahrhundert verfolgen, von denen Generationsurkunden zeugen die an der Wand auf den Höfen hängen.

 

Die Gebäude zeigten deutlich die Stellung der Bauern in der Gesellschaft. Die Eisenbahn und die Industrie trugen dazu bei, das sich der Staat Mitte des 19.Jahrhundert veränderte. Neue Gruppierungen von Menschen siedelten sich an und konkurrierten um die Macht.

Man brach mit der alten Struktur. In dieser Lage bauten die Bauern in Hälsingland groß wie nie zuvor, und im Tal vom Voxnan nahm dieses Bauen extreme Ausdrücke an.

In der Gemeinde Alfta gibt es zum Beispiel Wohnhäuser mit einer Wohnfläche von 400 m2, und dazu noch mal so viele ungenutzte Flächen in halben Obergeschossen und ganzen Dachböden. Das Bauen ist die offensichtlichste Investition um eine uralte Dominanz in der Besitzergesellschaft zu konservieren, schreibt der Professor in der Architekturgeschichte Fredric Bedoire. Die Bauern in Hälsingland hinterließen für die Nachwelt einen unschätzbaren Kulturschatz.

 

Der Großbrand in Alfta 1793

Der Großbrand in Alfta 1793
Illustration Carl Boman

 

Der Großbrand 1793

Zur damaligen Zeit lagen die meisten Höfe im Dorf dicht zusammen und um die Kirche herum, doch alles wurde an einem Maitag 1793 verändert, als ein Großbrand ausbrach. Das Feuer schluckte 222 Gebäude, zerstörte die Kirche, den Pfarrhof, das Gerichtgebäude, den Gasthof, das Haus vom Hauptmann und 16 große Höfe angrenzend an das Kirchdorf. 183 Personen wurden hierdurch obdachlos. Es betraf mit einigen Ausnahmen die allergrößten und die wohlhabendsten Höfe.

 

Eine Bauernfrau aus einem Nachbardorf wurde vor Gericht geladen, weil sie geäußert hatte, dass das Feuer eine Strafe für den "übertriebenen Hochmut" der Bauern sei. Nahe dem Åsbäcken, wo der gläubige Bauer auf dem Hof Per -Sjuls wohnte, machte das Feuer Halt und sein Hof sowie die Höfe im Östra Kyrkbyn wurden gerettet. Deshalb ist es gerade in Östra Kyrkbyn wo Spuren von dem richtig alten noch zu sehen sind, wie zum Beispiel bei den Höfen Per-Ols, Hansers, Jonknuts, Ol-Mårs und Skindra.

 

Centralpalatset von Jonas Holm
Centralpalatset von Jonas Holm
Foto: Agnes Andersson

 

Alfta Kyrkby und Ortschaft

Die Kirche, der Pfarrhof, die Schule und Bahnhofsortschaft liegen dicht neben einander in Alfta. Selten findet man so eine Freude am Schreinern wie hier. Die Ortschaft zählt in ihrer Art zu einer der am besten bewahrten.


Nach dem Großbrand 1793 wurde schnell eine neue Ortschaft aufgebaut. Schon im Jahr danach stand ein neuer Pfarrhof fertig und einige Jahre später war der Bau der neuen Kirche beendet. Von 1850 und bis zur Jahrhundertwende befand sich die Ortschaft Alfta in intensiver Entwicklung.

 

Bei der Kirche und entlang Långgatan sieht man Reste der Bebauung aus der Zeit um die vorige Jahrhundertwende die bewahrt und gepflegt werden. Der großartige Gasthof war Vorbild in der neuen Zeit der Täfelungsarchitektur und der Glasveranden.

 

Ein Mann von großer Bedeutung was das Bauen betrifft war der Tischler und der Baumeister Jonas Holm. Er kam aus Bollnäs, heiratete und zog 1887 nach Alfta. Die starke Ausbreitung in der Gegend war ihm gerade recht und überall, wo etwas passierte war Jonas Holm dabei.

 

Die Kanzel - in der Kirche in Alfta        Details von der luxuriös
        Details von der luxuriös
        dekorierten Kanzel.
       Details von der luxuriös
Die Kanzel - in der Kirche in Alfta
Fotos Lars Lööv
 

Die Kanzel eine Inspirationsquelle

Nach dem Großbrand wurde die Kirche wieder aufgebaut. Der Architekt vom Oberverwaltungsamt in Stockholm Axel Almfeldt entwarf die Kirche und die schön dekorierte Kanzel.

Auf der Rückseite stehen die bescheiden geschriebenen Namen der beiden geschickten und vielgefragten Tischler Olof Brunk und Pehr Tulpan, die beide aus der Gegend stammen, sowie das Jahr 1815 in dem die Kanzel in Gebrauch genommen wurde.

 

Die Tischler Brunk und Tulpan hatten den Auftrag erhalten die Kanzel zu schnitzen. Diese Arbeit inspirierte sie um ihr Handwerk fortzusetzen.

Veranden und Tischlerarbeiten wurden mit Details verschönert, die man von der Kanzel holte. Unzählige Beispiele findet man heute noch in den Gegenden. Die Alftarose mit ihren gezackten Blättern wurde das Symbol der Kirchengemeinde vor anderen. Die Rose wird immer noch als Dekor in Tischlereien, Schmuck und anderes angewendet.


Die Kirchenschule

Die Kirchenschule in Alfta
Die Kirchenschule in Alfta gab Inspiration für
den Bau der prächtigen Veranda auf Jon-Lars
Hof in Långhed
Foto Ingalill-Tengvall
 

Die Kirchenschule von 1847 liegt neben der Kirche. Es war der Bauer und Tischler Hans Brunk in Näsby und Sohn des Tischlers Olof Brunk, der die Arbeit leitete. Olof hatte die Kanzel 30 Jahre früher geschnitzt, und hatte die Schulveranda mit ihren zwei Pfeilern so geformt wie er es für richtig hielt. Die prachtvollen Holztäfelungen stehen heute noch und zeugen von seinem Bewusstsein für Proportionen. Die Doppeltüren und der Eingang gaben ihm Inspiration für die Veranda auf Jon-Lars großen Hof in Långhed.


 

Hans Brunk war einer von vielen in der Kirchengemeinde Alfta der mit dem Prediger Erik Jansson nach Amerika auswanderte.

Die Geschichte der frühen Auswanderung, welche die Kirchengemeinde Alfta stark prägte wird im Emigrantenhaus bei Ol-Anders geschildert. Der Hof Ol-Anders liegt an der Reichsstraße 50 in Östra Kyrkyn in Alfta. Früher lag der Hof bei der Kirche, wurde aber dann nach dem Großbrand 1793 an seinen jetzigen Platz versetzt. Der Hof ist das Tor zum Stora Hälsingegårdars Väg.

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Ein großer Aufwand von Tischlerei und Malerei

In diesen Dörfern und Gegenden findet man unzählige Beispiele prunkvoller Tischlerei und Malerei von der Mitte vom 19.Jahrhundert zugehörend der Kirchengemeinde Alfta. Diese findet man wieder bei überstehenden Dächern, Fensterfuttern, Veranden, Pforten, Türen, Interieure und Möbel. In Näsbyn liegt der Hof Brunke woher der Großtischler und Radmacher in der Gemeinde, Olof Brunk kam. Er hatte die Kanzel geschnitzt.


Malereien und Tapeten auf Wänden in altem Hof in Hälsningland.    Malereien und Tapeten auf Wänden in altem Hof in Hälsningland.
Malereien und Tapeten auf Wänden in altem Hof in Hälsningland.
Fotos Lars Lööv
                                                        

 

Die Bauern Hälsingland verschönerten schon früh ihre Zimmer und Häuser mit Malereien an Wänden, auf Geweben und Papier.

Während der späteren Hälfte vom 18.Jahrhundert waren es oft Maler die aus der Provinz Dalarna kamen und dekorierten, um im 19.Jahrhundert die Wandmalerei in Hälsingland mit schönen Farben und lebendigen Figuren, großen Schlössern und wiegenden Bäumen ganz zu übernehmen. Erik Andersson aus dem Dorf Gulleråsen bei Rättvik war einer von diesen. Auf dem Hof Ol-Anders hinterließ er sein Selbstportrait taktvoll neben dem offenen Kamin. Der Maler Svärds Hans Eriksson aus Rättvik stammend war ein weiterer fleißiger Mann, der eine lebendige Produktion in den Gegenden hatte. Weintraubenranken auf Säulen als Einrahmung von dekorativ gemalten Feldern sind auf den Höfen sind häufig vorkommend. Der sogenannte " Blåmålaren" ist einer der vielen anonymen Maler in der Gegend. In den Gemeinden Alfta und Ovanåker hat man die reichliche Malerei inventarisieret und dokumentiert.

 

 
Text Ingalill Tengvall

 

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